e-call - Das intelligente Notfallsystem. Partner bmvit Dolphin Technologies ÖAMTC A1
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eCall Pilot

Entstehung des Projektes

Dolphin Technologies, österreichischer Marktführer im Bereich von Kfz-Sicherheitstelematik, ÖAMTC und mobilkom austria bieten in Form eines strategischen Unternehmensnetzwerkes gemeinsame Produkte und Services an. Dabei handelt es sich um Fahrzeugortungssysteme, die bei einem Unfall oder Diebstahl eine automatische Meldung an eine Einsatzzentrale absetzen und außerdem über eine Notruftaste verfügen. Aufgrund der Initiative eSafety der Europäischen Union, wurde im Jänner 2006 Kontakt zum Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie aufgenommen. In einem gemeinsamen Aktionsplan wurden die Projektschritte definiert und diese dem Österreichischen Verkehrssicherheitsfond vorgestellt.

Informelles Ministertreffen in Röthis

Im Rahmen des informellen Treffens der europäischen Verkehrsminister in Röthis (Vorarlberg, Österreich) im März 2006 präsentierten die Projektpartner erstmals auf einer solch hochrangigen Plattform die Funktionalität von eCall. Mit einem Unfallsimulator des ÖAMTC wurde die unmittelbare Meldung eines Unfalls live demonstriert.

Infrastruktur im eCall Piloten

 

Technik

Für den eCall Piloten wurden GPS-Ortungssysteme der Marke Satalarm® von Dolphin Technologies verwendet. Diese verfügen über einen externen Unfallmelder, einen sogenannten Crash-Sensor sowie über eine rote Notfalltaste. Bei einem Diebstahl kann das Fahrzeug außerdem jederzeit geortet werden. Für die Kommunikation sorgt eine im Gerät befindliche SIM-Karte von mobilkom austria. Bei einer Auslösung erfolgt eine Alarmierung an die ÖAMTC Einsatzzentrale über zwei verschiedene Meldewege. Einerseits wird eine SMS-Nachricht abgesetzt, die über die IT-Plattform TELECOMMANDER von mobilkom austria zu einer Email umformatiert wird. Diese enthält alle relevanten Daten betreffend Fahrer und Fahrzeug sowie die Position, an der die Alarmmeldung abgesetzt wurde. Ergänzend werden noch die Daten des nächstgelegenen PSAP’s angegeben. Parallel erfolgt ein direkter Sprachanruf an eine spezielle Telefonnummer der Einsatzzentrale, wobei der im System integrierte Sprachprozessor über den Grund der Alarmauslösung (Unfall, Notfall, Diebstahl) informiert. Zusätzlich kann die aktuelle Position des Fahrzeuges abgefragt werden und wird in Form von Geokoordinaten kommuniziert.

 

eCall Testfahrer

Um eine repräsentative Aussage über die Meldekette zu erhalten, wurde das Testbedding mit 100 Testfahrern geplant, wobei jeder Testfahrer zumindest zehn Alarmmeldungen abzusetzen hatte. Die Testfahrer wurden nach dem Zufallsprinzip aus knapp 1.000 Bewerbern ausgewählt.

 

Installation

Die Installation der eCall Testgeräte erfolgte bei zwölf ausgewählten unabhängigen Kfz-Werkstätten. Diese sind aktive Vertragspartner von Dolphin Technologies und mit der Installation und Programmierung von GPS-Ortungssystemen vertraut.

Phasen des eCall Piloten

Das Projekt eCall war in vier Phasen eingeteilt. Nach der (1) Auswahl der Testfahrer folgte die (2) logistische Organisation inklusive Installation, die (3) Erhebung der statistischen Daten sowie deren (4) Auswertung und Interpretation.

 

1. Auswahl der Testfahrer

Auf den Internetseiten des BMVIT sowie der Projektpartner wurde ab 2. Juni 2006 der Start des eCall Piloten angekündigt und auf eine eigens angelegte Internetseite (www.e-call.at) verwiesen. Neben Informationen rund um die EU-Initiative und den bevorstehenden eCall Piloten wurde aufgerufen, sich als Testfahrer zu bewerben (siehe Abbildung 1). Parallel wurden im Rahmen einer Presseaussendung dieselben Inhalte kommuniziert und ebenfalls darauf hingewiesen, dass eine Bewerbung zur Teilnahme über diese Plattform möglich ist. Als Gegenleistung durften die Testfahrer die installierten Geräte bei Weiterbenutzung auch nach dem Test behalten, bzw. wurde ein kostenloser Wiederausbau angeboten. Während der Testphase – bzw. bis Ende August 2006 – liefen für den Testfahrer keinerlei Kosten an. Danach wurden die üblichen Marktpreise für SIM-Karte und Dienste der Einsatzzentrale verrechnet.

 

Abbildung 1: eCall Website

Abbildung 1: eCall Website

 

2. Organisation der Fahrzeuginstallation
Die Installation der Satalarm Systeme erfolgte im Zeitraum Juni und Juli 2006. Im eCall Webportal wurde jedem eCall Testfahrer ein eigener Bereich zugeteilt, in welchem persönliche und fahrzeugspezifische Daten einzutragen waren. Entsprechend der Wohnadresse erfolgte anschließend die Zuweisung zu einem der zwölf Einbaubetriebe.
Die entgültige Autorisierung als eCall Testfahrer erfolgte nach Unterzeichnung des Mobilfunkvertrages mit mobilkom austria. Dieser wurde - bereits mit allen Daten versehen - per Mail zugestellt und musste anschließend unterschrieben und zusammen mit einer Ausweiskopie an die eCall Projektleitung gesandt werden.
Daraufhin wurde ein Satalarm System gemeinsam mit der bereits angemeldeten SIM-Karte an den zugeteilten Einbaupartner versandt und von diesem ein Termin mit dem Testfahrer vereinbart. Im Zuge der Installation erhielt der Testfahrer außerdem seinen eCall Testfahrer-Pass sowie einen eCall Aufkleber.

 

3. eCall Testphase

Nach erfolgter Installation des Satalarm Systems wurden die eCall Testfahrer angewiesen, bis inklusive 11. August mindestens zehn (maximal 12) Testalarme durch das Betätigen der Notfalltaste auszulösen. Ein so simulierter Unfall löste eine Alarmierung der Einsatzzentrale aus, die den Kunden unter der von ihm genannten Mobiltelefonnummer rückzurufen hatte. Dabei wurde einerseits abgeklärt, ob es sich um einen eCall Test oder einen tatsächlichen Notfall handelte und ob die übermittelte Position mit dem Standort des Fahrzeuges übereinstimmte. In den eCall Testfahrer-Pass mußten anschließend die Uhrzeiten der Auslösung und des erfolgten Rückrufes der Einsatzzentrale sowie die Angabe, ob die Fahrzeugposition korrekt übermittelt wurde, eingetragen werden. Nach Abschluß der erforderlichen Testalarme waren die Ergebnisse auf der eCall Webseite einzutragen (siehe Abb.2).
Parallel wurden auch von der ÖAMTC Einsatzzentrale Aufzeichnungen geführt. In diesen wurde die Zeitdifferenz zwischen dem Einlangen der Alarme per Mail und Sprachanruf aufgezeichnet. mobilkom austria führte ergänzend eine Auswertung des Eintreffens von Sprachanrufen und Alarm-SMS durch.

 

Abb.2: eCall Website

Abbildung 2: eCall Website

 

4. Testfahrer Fragbogen

Um auch umsetzungstechnische Aspekte betrachten zu können, wurde Anfang September 2006 eine anonymisierte Online-Befragung durchgeführt. Per Email erhielten die 100 eCall Testfahrer die Aufforderung, den hinter einem Hyperlink zugänglichen Fragebogen im Internet auszufüllen. Dieses Instrument diente außerdem zur Abfrage der Qualität des Projektes. Diese Ergebnisse dienen der internen Qualitätskontrolle der mitwirkenden Projektpartner und finden deswegen in dieser Arbeit keine Erwähnung.

Technische Erkenntnisse und Interpretationen

Ein wichtiger Aspekt war die Überprüfung von Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit des Eintreffens von Notfallmeldungen. Die bei diesem Piloten verwendeten Standards, nämlich der klassische Voicecall (Sprachanruf) einerseits sowie die Datenübertragung per SMS andererseits, konnten beide als sehr wirksame Kanäle identifiziert werden. Das marginale Verbesserungspotential liegt in der Optimierung der Meldestruktur zwischen Provider und Einsatzzentrale. Das Testergebnis zeigte, dass innerhalb von zwei Minuten 72 Prozent der Alarmmeldungen beantwortet werden konnten. Weitere zwölf Prozent dann innerhalb der dritten und vierten Minute. Im Ernstfall wäre daher schon nach nur vier Minuten die exakt richtige Hilfe unterwegs gewesen.

 

Abb.3: Rückrufzeiten

Abbildung 3: Rückrufzeiten aus Sicht der eCall Testfahrer in Sekunden

 

Grundsätzlich kann also gesagt werden, dass sowohl der reine Sprachanruf als auch die Übertragung per SMS valide Instrumente darstellen, um Notfälle zu übertragen. Dennoch gibt es Vor- und Nachteile beider Standards, die in den folgenden Kapiteln betrachtet werden sollen.

 

Abb.4: Zuverlässigkeit Voicecall

Abbildung 4: Zuverlässigkeit Voicecall vs. SMS/Email

 

1. Voicecall als Alarmierungsmedium
Die Übertragung einer Unfallmeldung mittels eines Sprachanrufes bietet den entscheidenden Vorteil, dass keine SIM-Karte notwendig ist, um einen Anruf an die Notrufnummer 112 zu tätigen. Von der momentanen technischen Struktur der Notrufstellen ausgehend wäre also ein System interessant, dass einen Voicecall an 112 initiiert und über einen Sprachprozessor die Koordinaten des Unfalls mitteilt. Eine der Notrufstelle zur Verfügung stehende Webdatenbank mit Anbindung an einen Kartenserver würde es erlauben, Identität des Fahrzeugbesitzers sowie seine Position zu bestimmen.
Auf der anderen Seite ist fraglich, inwiefern das Zustandekommen eines Sprachanrufes nach einem Unfall mit erheblichem physikalischen Schaden am Fahrzeug gewährleistet ist. Außerdem wäre ein solches System nicht dazu geeignet, zusätzliche Services wie z.B. Diebstahlsortung, Pannenhilfe, etc. abzubilden.

 

2. SMS als Alarmierungsmedium
Zur Übertragung einer SMS-Nachricht ist eine SIM-Karte notwendig. Somit entstehen dem Provider Kosten, die über Grundgebühren oder andere Einnahmewege refundiert werden müssen. Der entscheidende Vorteil einer SMS liegt darin, dass zu ihrer Übertragung bei weitem weniger GSM-Empfang als bei einem Voicecall notwendig ist. Außerdem ist in Anbetracht der bei einem Unfall entstehenden Beschädigung am Fahrzeug eher sichergestellt, dass die Alarmierung überhaupt abgesetzt wird. Zusätzlich erlaubt dieser Weg schon jetzt die Einbindung externer Notrufzentralen.

 

3. Soziale Erkenntnisse und Interpretationen
Einen wichtigen, wenn nicht sogar den ausschlaggebenden Aspekt bei der europaweiten Einführung von eCall werden der Autofahrer und seine Akzeptanz sein. Da derzeit noch unklar ist, wer die Kosten für die Etablierung von Hardware, Dienstleistung und dahinterstehender Infrastruktur tragen soll war es im Rahmen des vorliegenden Projektes wichtig, die Befindlichkeit des Autofahrers in Bezug auf Kostenbereitschaft und auch Interesse an anderen Diensten zu hinterfragen.

 

4. Kostenbereitschaft
Über 60% der ausgewählten Testfahrer waren bereit, zwischen EUR 9,00 und EUR 14,00 pro Monat dafür auszugeben, dass sie bei Unfällen oder in Notfällen umgehende Hilfeleistung erhalten. Fast die Hälfte wäre überdies bereit gewesen, mindestens EUR 300,00 für Hardware und Installation auszugeben. Die „Schmerzgrenze“ ist hier aus Herstellersicht mit EUR 900,00 anzusetzen. Dies zeigt eindeutig, dass Sicherheit im Strassenverkehr einen Stellenwert erreicht hat, für den es sich aus Sicht des Autofahrers tatsächlich auszahlt, Geld zu bezahlen.

 

Abb.5: Was dürfen Hardware und Installation kosten?

Abbildung 5: Was dürfen Hardware und Installation kosten

 

5. Interesse an weiteren Diensten
Vor allem Mobilitätsdienstleistungen und Verkehrsinformationen, aber auch Navigation, stehen im Vordergrund des Interesses. Aber auch für weitere Dienstleistungen besteht ein wirtschaftliches Potential. Insofern scheint es wichtig, Mobilitätsdienstleister in die Infrastruktur von eCall einzubeziehen, um Kostendeckung auch über diesen Aspekt erreichen zu können.

 

Abb.6: Welche Zusatzdienste sind interessant?

Abbildung 6: Welche Zusatzdienste sind interessant

 

6. Information vor Geschwindigkeit
Die Gespräche mit Ärzten und Notfallmedizinern können so zusammengefaßt werden, als dass die Qualität der Informationsübermittlung bzw. deren Inhalt einen mindestens ebenso entscheidenden Faktor für den Patienten spielen wie die Geschwindigkeit der Alarmierung. Seitens der Medizin ist – abgesehen von Bagatellfällen - zwischen den folgenden Situationen zu unterscheiden:

Da in den Gesprächen der Informationsgehalt immer wieder betont wurde, ist hier besonderes Augenmerk gefragt. Neben den Strukturen für Übermittlung ist dieser Aspekt auch bei der Auswahl der Übertragungsmedien von Notfallmeldungen respektive bei den dahinterstehenden Datenquellen vorrangig zu betrachten.

Ausblick

Die Einführung von eCall im Sinne eines europaweiten Konzeptes impliziert nicht nur die Einbindung der Telekommunikations- und Automobilindustrie, den Verkehrs- und Innenministerien der europäischen Mitgliedsländer sowie der Versicherungswirtschaft. Es sollte die Überlegung nicht außer Acht gelassen werden, ob die derzeitige Infrastruktur an Notrufstellen in Europa ausreichend ist, diese Leistungen zu erbringen. Spätestens, wenn auch eine Notfalltaste neben der automatischen Unfallmeldung zum Tragen kommt, sind sogenannte „Clearingstellen“ eine unbedingte Voraussetzung für die Umsetzung von eCall. In Anbetracht der Mehrsprachigkeit innerhalb Europas wäre es wünschens- und empfehlenswert, wenn in Not- oder Stresssituationen im Ausland ein Ansprechpartner in der eigenen Landessprache zur Verfügung stünde.
Außerdem kann man so Business-Cases schaffen, um den Autofahrer zur Kostenbeteiligung im Sinne einer schnelleren Umsetzung zu bewegen. Österreich hat mit diesem Piloten und auch mit den bereits kommerziell auf der Strasse befindlichen Notrufsystemen bewiesen, dass es für eCall bereit ist und die Aufforderung der europäischen Union ernst nimmt, indem es einen entscheidenden Beitrag zur Sicherheit auf der Strasse leistet.